Kampf der Generationen

December 30, 2016

 

Ihr kennt ja bestimmt auch das Konkurrenzgehabe zwischen Vater und Sohn. Bis zu einem Alter von sechs Jahren ist der Papa noch die unangefochtene Nummer eins. Bis dahin wird so gut wie nichts in Frage gestellt. Wir sind in den Augen der Kinder noch so etwas wie der strahlende Superheld. Danach wendet sich langsam das Blatt. Jeder kleine Anlass endet in einem Wettkampf. Ich kann höher schaukeln, ich kann die Luft länger anhalten usw.. Zumindest ist das bei uns so. Es wird also immer wieder versucht den alten Silberrücken zu übertrumpfen bis es irgendwann auch gelingt. Wie sich die erste große Niederlage anfühlen kann, zeige ich Euch nun im Folgenden:

 

Ich war schon seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr sportlich aktiv. Habe leider vor ein paar Tagen meine Klappe nicht halten können und vor meinem Sohn mit meinen Lauffähigkeiten geprahlt. Die ganze Sache hat sich bis zu einem kleinen Laufduell gesteigert. Ich Vollhonk.....

 

Wir starten früh am Morgen auf einer von uns festgelegten Runde. Die ersten Meter spule ich noch mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit runter. Gazellengleich flieg ich über den Asphalt. Es tut einfach mal wieder richtig gut etwas Sport zu treiben. Ach das Leben ist schön. Sollte ich öfters machen..... Kurze Zeit später geht es mit meiner Konstitution ganz steil bergab. Stück für Stück jener noch zuvor erlebten Leichtigkeit löst sich in Luft auf. Meine Beine fühlen sich an, als ob sie mit Blei gefüllt sind. Nach gefühlten 3 km kündigt eine Frauenstimme aus meinem Smartphone den ersten Kilometer an. Was, das waren erst 1000 m? Schei... Ich schaue rüber zu meinem Sohn. Nicht die geringsten Anzeichen von Müdigkeit. Er ist die ganze Zeit am Quatschen und hüpft rum wie ein junger Floh. Will er mich provozieren?

 

Ich merke wie mein Bauch und meine Brust bei jedem Laufschritt hoch- und runter wippt und frage mich ob es dafür auch eine Lösung gibt. Eine Art BH oder Stützmöglichkeit.....Verwerfe aber schnell den Gedanken als die Frauenstimme aus dem Handy den zweiten Kilometer ankündigt. Merke wie eine starke Aggressivität aus meinem tiefsten Inneren aufsteigt. Frage mich, ob mit einer Männerstimme alles besser wäre. Verwerfe aber schnell den Gedanken aufgrund immensen Sauerstoffmangels.

 

Suche verzweifelt nach einer Ausrede, um die ganze Sache abzubrechen. Mir fällt leider keine ein, ohne mein Gesicht zu verlieren. Die blöde Kuh kündigt mittlerweile den dritten Kilometer an. Ich höre Stimmen......glaube es ist meine Couch....... bin mir aber nicht sicher. Mein Sohn läuft immer noch wie ein junger Gott. Ich werde etwas wütend. Sehe enterben als gute Möglichkeit für spätere Rache. Verwerfe aber den Gedanken aufgrund nicht vorhandener Besitztümer.

 

Kilometer 4. Mein linker Arm wird etwas taub. Frage mich, ob das schon ein erstes Anzeichen für einen Herzinfarkt ist. Müssen noch den Wachberg hoch, habe hier das Ziel ausgelobt. Empfinde dessen Höhe als gewaltig. Frage mich, wieso hier nicht ganzjährig Schnee liegt. Sehe wie mein Sohn mit einer provokanten Leichtigkeit den Berg hoch sprintet. Komme eine gefühlte Ewigkeit später an. Schleppe mich dann noch bis nach Hause. Kann meine Frau kaum verstehen, da meine Ohren pfeifen. Höre nur Satzfetzen wie... wie immer übertrieben...in deinem Alter....Du siehst schrecklich......Lege mich völlig erschöpft auf die Couch. Höre wie eine Stimme aus meinem Handy etwas von 5 km tönt..........

 

 

 

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